Veröffentlicht von       Rolf Müller

Kündigung und Mietzinserhöhung im Schweizer Mietrecht 2026

Mietverhältnisse sind für viele Menschen und Unternehmen existenziell, entsprechend emotional sind Konflikte rund um Kündigung und Mietzinserhöhung. Gerade in Zeiten steigender Kosten und angespannter Wohnungsmärkte kommt es häufiger zu Streitigkeiten, bei denen es auf die Kenntnis der rechtlichen Spielregeln ankommt.​

 

Was bedeutet Mietkündigung und Mietzinserhöhung in einfachen Worten?

Bei einer Mietkündigung beendet eine Partei – Mieter oder Vermieter – das Mietverhältnis auf einen bestimmten Termin unter Einhaltung der gesetzlichen oder vertraglichen Fristen. Eine Mietzinserhöhung bedeutet, dass der Vermieter den bisher vereinbarten Mietzins anpasst, meist mit Verweis auf höhere Kosten, wertvermehrende Investitionen oder Referenzzinssatz‑Änderungen.​

  • Ordentliche Kündigung: Beendigung unter Einhaltung Fristen/Termine gemäss Gesetz oder Vertrag
  • Ausserordentliche Kündigung: Beendigung aus besonderen Gründen, z.B. schwerwiegende Pflichtverletzungen
  • Mietzinserhöhung: Anpassung des Mietzinses, die bestimmten Form‑ und Begründungsanforderungen unterliegt

 

Gesetzliche Grundlagen im Schweizer Mietrecht

Die zentrale gesetzliche Grundlage bildet das Obligationenrecht (OR), insbesondere die Bestimmungen zu Miete und Pacht in den Art. 253–274 OR. Für Wohn- und Geschäftsraummieten gelten besondere Schutzbestimmungen, etwa zur Formularpflicht bei Kündigung und Mietzinserhöhung in vielen Kantonen.​

  • Wohn- und Geschäftsraummiete: Erweiterter Kündigungsschutz und teilweise zwingende amtliche Formulare.
  • Kündigungsfristen: Gesetzliche Mindestfristen, die vertraglich zu Gunsten der Mieter nicht unterschritten werden dürfen.
  • Anfechtungsmöglichkeiten: Mieter können missbräuchliche Mietzinse und Kündigungen unter bestimmten Voraussetzungen anfechten.

 

Häufige Fehler von Vermietern und Mietern

Fehler bei der Form der Kündigung oder bei der Begründung der Mietzinserhöhung führen häufig dazu, dass eine Verfügung unwirksam ist oder angefochten werden kann. Auf Mieterseite ist der Klassiker, Zahlungsaufforderungen zu ignorieren und damit eine Kündigung wegen Zahlungsrückstands zu riskieren.​

Typische Fehler von Vermietern:

  • Kündigung nicht auf amtlichem Formular, obwohl vorgeschrieben
  • Falsche oder unvollständige Begründung einer Mietzinserhöhung
  • Missachtung gesetzlicher Kündigungsfristen und Termine

Typische Fehler von Mietern:

  • Reaktion auf Zahlungsrückstand zu spät oder gar nicht
  • Versäumen von Einsprache‑ oder Anfechtungsfristen
  • Orientierung an deutschem Mietrecht statt an der schweizerischen Rechtslage

 

Schritt-für-Schritt: Was tun bei Kündigung oder Mietzinserhöhung?

Wenn Sie als Mieter eine Kündigung erhalten

  1. Dokument prüfen
    • Kontrollieren Sie Form, Fristen und Begründung sorgfältig.
  2. Fristen notieren
  • Markieren Sie sofort die Frist, innert derer Sie Einsprache oder Anfechtung erheben können.
  1. Situation klären
    • Prüfen Sie, ob ein Gespräch mit dem Vermieter die Situation entschärfen kann.
  2. Rechtslage prüfen
    • Vergleichen Sie Ihre Situation mit den gesetzlichen Vorgaben und typischen Fällen im Mietrecht.
  3. Fachberatung einholen
    • Bei Unsicherheiten oder drohender Wohnungslosigkeit empfiehlt sich frühzeitig juristische Unterstützung.

 

Wenn Sie als Mieter eine Mietzinserhöhung erhalten

  1. Formular und Begründung prüfen
    • Ist ein amtliches Formular verwendet worden? Wurde die Erhöhung nachvollziehbar begründet?
  2. Vergleichbarkeit prüfen
    • Beurteilen Sie, ob die Erhöhung im Rahmen dessen liegt, was im Markt und nach Rechtsprechung üblich ist.
  3. Reaktionsmöglichkeiten abwägen
    • Je nach Situation: Gespräch suchen, Anfechtung prüfen, Alternativen (Wohnungswechsel) überlegen.

 

Wenn Sie als Vermieter kündigen oder den Mietzins erhöhen wollen

  1. Rechtliche Voraussetzungen prüfen
    • Liegt ein zulässiger Kündigungsgrund oder eine rechtfertigbare Mietzinserhöhung vor?
  2. Formulare korrekt verwenden
    • Nutzen Sie die vorgeschriebenen amtlichen Formulare, soweit anwendbar.
  3. Begründung sauber ausarbeiten
    • Formulieren Sie sachlich; vermeiden Sie Emotionen oder unsachliche Motive.
  4. Fristen einhalten
    • Planen Sie ausreichend Zeit ein, um Termine und Fristen korrekt einzuhalten.

 

Besonderheiten bei Geschäftsraummiete für KMU

Bei Geschäftsraummieten steht der wirtschaftliche Betrieb des Mieters im Vordergrund, was das Interesse an längeren Vertragslaufzeiten und Planungssicherheit erhöht. Gleichzeitig gelten viele Schutzmechanismen analog zur Wohnraummiete, etwa bei Formularpflicht und Anfechtungsmöglichkeiten, je nach Konstellation und kantonaler Praxis.​

  • Langfristige Verträge: Häufig feste Laufzeiten mit Verlängerungsoptionen statt flexibler Kündigungsfristen
  • Investitionen: Mieter tätigen oft erhebliche Investitionen in Ausbau und Einrichtung, was die Verhandlungssituation beeinflusst
  • Standortbindung: Ein Standortwechsel kann für ein KMU gravierende Folgen haben, was bei Kündigungen und Verhandlungen zu berücksichtigen ist

 

Typische Irrtümer durch deutsches Recht

Viele Online‑Informationen betreffen das deutsche Mietrecht, das in wichtigen Punkten von der schweizerischen Regelung abweicht. Wer diese Informationen ungeprüft übernimmt, kann Fristen oder Rechte falsch einschätzen.​

Beispiele:

  • Andere Kündigungsfristen und Termine
  • Abweichende Anforderungen an Form und Begründung von Kündigung und Mietzinserhöhung
  • Unterschiede bei der gerichtlichen Durchsetzung und bei Schlichtungsverfahren

 

FAQ: Häufige Fragen aus der Praxis

  1. Wie lange ist die Kündigungsfrist bei Wohnungsmiete in der Schweiz?
    Die Kündigungsfrist ist gesetzlich geregelt und kann vertraglich konkretisiert werden; sie beträgt in vielen Fällen drei Monate auf einen ortsüblichen Termin, darf aber gewisse Mindeststandards nicht unterschreiten. Entscheidend ist, was im Vertrag steht und ob besondere Bestimmungen für Ihre Region gelten.​
  2. Was kann ich tun, wenn der Vermieter den Mietzins stark erhöht?
    Sie können prüfen, ob die Erhöhung formell und materiell korrekt ist und – je nach Konstellation – eine Anfechtung in Betracht ziehen. Wichtig ist, die Fristen zu wahren und die Begründung der Erhöhung genau zu analysieren.​
  3. Was passiert, wenn ich die Miete nicht rechtzeitig zahle?
    Bleibt die Miete aus, kann der Vermieter Sie schriftlich mahnen und eine Nachfrist setzen; nach unbenutztem Ablauf droht eine Kündigung wegen Zahlungsrückstands. Solche Kündigungen lassen sich nur schwer rückgängig machen, weshalb ein frühzeitiger Kontakt mit dem Vermieter entscheidend ist​
  4. Dürfen Vermieter ohne Grund kündigen?
    Kündigungen müssen sachlich zulässig und dürfen nicht rechtsmissbräuchlich sein; gewisse Kündigungsgründe sind ausdrücklich unzulässig. In Zweifelsfällen besteht die Möglichkeit, die Kündigung anzufechten und prüfen zu lassen, ob sie missbräuchlich ist.​
  5. Welche Besonderheiten gelten bei Geschäftsraummiete für KMU?
    Geschäftsraummietverträge sind oft komplexer und stärker auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten als Wohnungsmietverträge. Themen wie Konkurrenzschutz, Betriebspflicht, Untervermietung und Anpassung an wirtschaftliche Entwicklungen spielen hier eine wichtige Rolle.​
  6. Kann ich eine Mietzinserhöhung einfach akzeptieren und später anfechten?
    Die Reaktionsmöglichkeiten sind zeitlich begrenzt; wer die Fristen verpasst, verliert in der Regel gewisse Rechte. Deshalb sollte sofort nach Erhalt der Erhöhung geklärt werden, ob und wie reagiert werden soll.​
  7. Was ist der Unterschied zwischen ordentlicher und ausserordentlicher Kündigung?
    Die ordentliche Kündigung hält Fristen und Termine ein und bedarf keines besonderen Grundes, sofern kein Missbrauch vorliegt. Die ausserordentliche Kündigung stützt sich auf besondere Umstände wie schwere Vertragsverletzungen und kann unter Umständen früher greifen.​

 

Hinweis und Empfehlung

Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Übersicht zu Kündigung und Mietzinserhöhung im Schweizer Mietrecht 2026 und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. In komplexen oder zeitkritischen Situationen – insbesondere bei drohendem Wohnungsverlust oder Konflikten rund um Geschäftsraummieten – ist eine persönliche Beratung durch eine qualifizierte Rechtsanwältin oder einen qualifizierten Rechtsanwalt in der Schweiz dringend zu empfehlen.

Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren. Wir beraten Sie sehr gerne und zeigen Ihnen die für Sie passende Lösung auf.​


  1. https://www.legalis.ch/de/legalis-brief/mietrecht/
  2. https://www.bwo.admin.ch/de/mietrecht-politik

 

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